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Universität Bremen - Fachbereich 3 - Informatik

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Von der Tonkunst zur Soundkultur – informationstechnologische Transformationen auditiver Gestaltung



Datum: 07.04.2010

Rotunde


Vortragende(r): Prof. Dr. Rolf Großmann Homepage - Vortragende(r) (Leuphana Universität Lüneburg)


Abstract

Wird Komposition als regelgeleitete Gestaltung musikalischer Struktur verstanden, so sind algorithmische Verfahren wie z.B. die Kontrapunktregeln seit jeher Bestandteil musikalischer Strukturbildung. Es ist gerade die Notenschrift westeuropäischer Kunstmusik, welche die regelorientierte Arbeit an der tonalen Struktur, die Tonkunst begünstigt. Dass Computer diese Tradition der Gestaltung aufnehmen und zunächst als Computermusik fortsetzen, ist nicht
weiter verwunderlich. Algorithmische Prozesse sind naturgemäß eine Domäne der programmgesteuerten Rechenmaschinen und damit die generative Ressource computerbasierter Gestaltung. Dabei können die Ergebnisse solcher Prozesse – wie in den Pionierzeiten Lejaren A. Hillers – in Notenschrift übertragen und konventionell gespielt (etwa von einem Streichquartett in der "Illiac-Suite", 1956/57) oder direkt in maschinenlesbaren Steuerungsdaten (MIDI-Protokoll, ab 1983) ausgegeben werden. Hinzu kommt die Steuerbarkeit von Klängen und – hier verschmelzen Rechner- und Medientradition des Computers – Samples, sowie
die direkte Berechnung von Klängen – in der Tradition des Synthesizers.
Bevor der Computer allerdings sein aktuell allgegenwärtiges Gestaltungspotential entfalten konnte, bedurfte es eines durch die kulturelle Adaption der Phonographie ausgelösten musikalischen Wandels, eines Paradigmenwechsels vom Ton zum Sound in Klangkunst, Musique Concrète sowie Pop und Rock. Populäre Stile der DJ-Culture wie HipHop, Dub, House, Techno und andere bereiten schließlich ab Ende der 1970er Jahre das Feld musikalischer
Innovation, auf dem das heutige Musikmedium 'Computer' aufbaut.
Die Konfigurationen der elektronischen bzw. später digitalen Medien und ihre Produktionsverfahren treten dabei selbst als musikalisches Material in den Gestaltungsprozess ein. Dazu gehören Verfahren des Editing, der Montage und medienspezifischen Transformation, die nun als instrumentale Optionen auftreten und in den verschiedensten Stilen und Genres genutzt werden.
Der Vortrag gibt einen Überblick über die Stationen des Wandels und stellt die Frage nach einer spezifischen Ästhetik digitaler auditiver Gestaltung.


Kurzbiographie

Prof. (apl.) Dr. Rolf Großmann, geb. 1955, studierte Musikpädagogik und -wissenschaft, Germanistik, Philosophie, Physik an den Universitäten Bonn, Siegen und Gießen; Promotion über "Musik als Kommunikation". Lehraufträge zur digitalen Musikproduktion, -ästhetik und Medienkunst nahm er an der Kunsthochschule für Medien Köln, der Popakademie Baden-Württemberg, der Hochschule der Künste Bern sowie den Universitäten Siegen und Hamburg
wahr. Seit 1997 leitet er den Schwerpunktbereich "((audio)) Ästhetische Strategien" und lehrt und forscht in den Angewandten Kulturwissenschaften/Kulturinformatik ("Digitale Medien und auditive Kultur") an der Leuphana Universität Lüneburg. Arbeitsschwerpunkte: Technikkultur
und Medienästhetik der Musik, Ästhetik zeitgenössischer Musik (E und U), auditive Gestaltung.
Diverse Publikationen zur Ästhetik und Technikkultur der Musik, weitere Informationen unter http://audio.uni-lueneburg.de.








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