Frauenforschung und Technik

 

 

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Forschungsprofil der Professur "Frauenforschung und Technik" am Fachbereich 03 und im ZGS (Prof. Dr. S. Maaß)

Die Professur Frauenforschung und Technik im Studiengang Informatik des Fachbereichs Mathematik/Informatik und im ZGS ist seit September 1998 durch Susanne Maaß besetzt und hat eine zugeordnete Wissenschaftliche Mitarbeiterin. Sie ist im Bereich Angewandte Informatik angesiedelt, jenem Teilbereich der Informatik, der den Zusammenhang zwischen informationstechnischen Produkten und ihrem Entstehungs- und Nutzungskontext thematisiert.

Die Angewandte Informatik fragt nach den Akteuren der Technikentwicklung, ihren Interessen und Leitbildern. Sie beschäftigt sich mit den normativen, kulturellen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sowie den Wirkungen der Technisierung und Informatisierung auf gesellschaftlicher, institutioneller und individueller Ebene, im betrieblichen und privaten Bereich. Angewandte Informatik behandelt sowohl den Prozess als auch die Produkte von Technikentwicklung und fragt nach Angemessenheit und Qualität. Es wird auch reflektiert, was die Informatik als wissenschaftliche Disziplin ausmacht, wie sie nach außen wirkt, welche Ausbildungsinhalte sie anbietet, und welches ihr professioneller Kern ist.

In den Bereich Angewandte Informatik läßt sich die Frauen- und Geschlechterforschung gut einbetten. Damit unterscheidet sich die Informatik von anderen naturwissenschaftlich-technisch orientierten Fächern, die eine Reflexion des Fachs und seiner Wirkungen nicht als Teil des Faches selbst sehen. Die Arbeiten der AG Frauenforschung und Technik erfordern dennoch eine besondere, bisher nicht etablierte Vermittlungs- und Übersetzungsleistung zwischen Informatik und feministischen Studien, d.h. Transdisziplinarität

Geschlecht als analytische Kategorie kann in alle Fragestellungen der Angewandten Informatik eingebracht werden. Derzeit liegt ein Forschungsschwerpunkt auf der sozialorientierten Technikgestaltung. 1999 - 2002 wurde im Rahmen eines Drittmittelprojektes* im Call-Center-Bereich (ComCall) ein Beschäftigungsbereich betrachtet, in dem Frauen die Mehrzahl der Beschäftigten stellen. Die Tätigkeit der Call-Center-AgentIn weist viele Charakteristika "typischer Frauenarbeit" auf und erfährt geringe gesellschaftliche Wertschätzung. Gleichzeitig werden betriebswirtschaftlich hohe Erwartungen an die durch sie realisierten Funktionen geknüpft (Schnittstelle zum Kunden). Die Tätigkeit stellt bei genauer Betrachtung hohe Anforderungen an die Beschäftigten. Es ist zu beobachten, wie geschlechtliche Bilder und Zuschreibungen ihre Wirkung im Kontext von Arbeitsgestaltung, Qualifizierung und Softwaregestaltung entfalten.

Das Forschungsinteresse richtet sich weiter auf die Frage, was die Informatik als Studienfach und Berufsperspektive für Männer so attraktiv macht, während die Nachfrage durch Frauen gering bleibt. Es wird der These nachgegangen, dass einerseits das Bild, das sich die Informatik nach außen gibt, das Fach als männlich konnotiert, andererseits der Aufbau des Studiums, die Art der Vermittlung und die gelebte Fachkultur im Studium zu einer Ausgrenzung von Frauen bzw. von nicht mainstream technikorientierten Studierenden führt. Hier müssen neue Wege gefunden werden, das Fach vielfältig zu präsentieren, zu vermitteln und zu leben.

Ein damit verbundener Forschungskomplex läßt sich als soziale Ko-Konstruktion von Technik und Geschlecht bezeichnen. Es wird untersucht, wie sich das Verständnis von Technologien und Technikkompetenz innerhalb der und durch die Informatik rekonstituiert und mit individuellen, strukturellen und kulturellen Herstellungspraxen von Geschlecht interferiert. Die Frage nach den Verschränkungen von 'Technik' und 'Geschlecht' läßt sich aus den Perspektiven der Identitäts- und Subjektkonstruktion, der Berufssoziologie im Hinblick auf den Status von Tätigkeiten und Berufen, der institutionell-disziplinären Grenzziehungsprozesse im Wissenschaftsbetrieb, aber auch von Seiten der Gestaltung und Herstellung von Informationstechnologien betrachten.

* Das Projekt wurde durch den Bremer Senator für Arbeit und den Europäischen Sozialfonds im Bremer Programm "Arbeit und Technik" gefördert.
 
 
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