Frauenforschung und Technik

 

 

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Transdisziplinarität

Technikentwicklung und -einsatz findet im gesellschaftlichen Kontext statt. Gerade die Bremer Informatik legt Wert auf die Reflexion der Wechselwirkungen zwischen den Bereichen Technik und Gesellschaft, sowohl in der Lehre als auch im Rahmen von Forschung. Eine Betrachtung der Informatik, ihrer Annahmen, Akteure, Methoden und Wirkungen lässt sich jedoch nicht mit formalen Methoden angehen. ForscherInnen der Angewandten Informatik bedienen sich daher selbstverständlich sozial- und geisteswissenschaftlicher Theorien, Herangehensweisen und Modelle. Trotz dieser Offenheit gegenüber den Kultur- und Gesellschaftswissenschaften hat die dort verortete Frage nach den Geschlechterverhältnissen in der Informatik bislang kaum Eingang gefunden. Doch gerade der Geschlechterbezug, die Arbeit mit vergeschlechtlichten Bildern und Kategorien stellt ein Charakteristikum der Technikgestaltung dar, und die Nutzung der informationstechnischen Systeme bringt wiederum Geschlechtshierarchien und Stereotype hervor. Es gilt also, an die Pionierarbeit einzelner Frauenforscherinnen in der Informatik anzuknüpfen, die umfassenden, komplexen Ergebnisse der Genderforschung wahrzunehmen und die Produktivität dieser Analysen, theoretischen Ansätze und Methoden auch für die Informatik zugänglich zu machen.

Doch auch auf Seiten der Frauen- und Geschlechterforschung scheint ein unzureichendes Verständnis von Informatik, technischen Artefakten und den Entwicklungsprozessen der Informationstechnik zu bestehen. Beeinflusst durch die in den 80er-Jahren populären technikkritischen bis -ablehnenden Positionen und geprägt von Ansätzen, die von einer grundlegenden, auch auf Technik bezogenen Geschlechterdifferenz ausgingen, haben feministische Forscherinnen vielerorts eine gewisse Distanz gegenüber der Informatik gewahrt. Erst neuerdings und vor allem mit der Hoffnung, dass das Internet zu einem De-Gendering beitragen könnte, steigt das Interesse der Geschlechterforschung an den neuen Technologien. Hier gilt es, zwischen Technikdämonisierung und Technikeuphorie liegende realistische Einblicke in die Möglichkeiten und Grenzen dessen zu vermitteln, was die Informatik und Informationstechnologien leisten können.

Die Brücken zwischen Informatik und Genderforschung sind auszubauen. Die Herausforderung transdisziplinären Arbeitens besteht dabei nicht nur darin, zwei oder mehrere Disziplinen, Fachinhalte und erkenntnistheoretische Grundlagen zu beherrschen, sie reproduzieren und von diesen ausgehend argumentieren zu können, sondern vielmehr in einer Übersetzungsarbeit, die in beide Richtungen erfolgen muss.

 
 
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