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Das Außenbild der Informatik ist stark geprägt von
klischeehaften Stereotypisierungen. Die dominierenden Vorstellungen über die
involvierten Menschen variieren zwischen ‚zwanghaften Programmierern’
(Weizenbaum), Hackern und Nerds, während die Tätigkeit von InformatikerInnen mit
Programmierung gleichgesetzt wird.
Das Innenbild der Disziplin stellt sich dagegen
differenzierter dar. Bereits ein genauerer Blick in die Studienordnungen lässt
eine große Bandbreite des Faches, seiner Zugänge und seiner Methoden erkennen.
Dort werden mathematisch-formale Ausrichtungen, Bezüge auf Ingenieurtraditionen
und praktische wie auch kritisch reflektierende Anteile der Informatik sichtbar.
Gleichzeitig
wuchern auch politische Utopien und soziale Visionen innerhalb des Faches.
Manche InformatikerInnen fühlen sich aufgrund fachlicher Kompetenz verpflichtet,
gesellschaftliche Verantwortung zu tragen; weitere organisieren sich dazu oder
schließen sich bestimmten Leitideen an (z.B. FIFF, CCC, Haecksen, Open Source,
Free Software Foundation). Die innerhalb der Informatik gelebten Informatiken
erscheinen insgesamt vielfältig, ausdifferenziert und heterogen.
Angesichts dieser Vielfalt von Bildern, Positionen,
Fachdefinitionen und (Sub-)Kulturen stellt sich die Frage nach dem „Kern“ der
Informatik: Worüber konstituiert sich die Disziplin? Was ist das Verbindende,
das InformatikerInnen als InformatikerInnen zusammenhält? Gibt es überhaupt eine
informatische „Identität“? Oder existieren unter dem großen Dach der Informatik
eher mehrere, grundsätzlich verschiedene Fachkulturen nebeneinander?
Die Frage nach den Gemeinsamkeiten erscheint nicht leicht beantwortbar. Deshalb kann
ein Perspektivenwechsel, auf die Grenzen der Disziplin, des Faches und der
Profession zu schauen, aussichtsreich sein. Dabei sind nicht nur fachliche
Aspekte relevant: Was gehört dazu? Und welche Inhalte und Methoden gelten
nicht als informatische? Interessanter noch könnten vielmehr die sozialen
Einschlüsse und Ausschlüsse sein. Wer gehört dazu? Und wer nicht? Auf
welchem Wege kann man oder frau zur Informatik zugehörig werden? Geht es
dabei immer nur um fachliche Kompetenzen und formale Abschlüsse? Oder kann dabei
auch die Zugehörigkeit zu einer der oben angesprochenen Gruppierungen eine Rolle
spielen? Von wem wird man in welchem dieser Fälle als InformatikerIn
anerkannt? Und welchen Status hat eine solche Zuordnung?
Im
Seminar wollen wir der Suche nach der Fachkultur bzw. den Fachkulturen der
Informatik intensiv nachgehen. Für die Teilnahme wird vor allem ein Interesse am
Thema vorausgesetzt. Wünschenswert ist, dass dieses in ein exploratives und
forschendes Lernen mündet. Gleichzeitig ist aber auch eine Auseinandersetzung
mit wissenschaftlichen (z.T. englischsprachigen) Texten erforderlich.
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