Protokoll

Bericht vom ersten Treffen des Projektes SAUS am 27.10.1994 auf dem Planeten Erde.
Verantwortlich
Michael Czierwitzki
Anwesende
BKB, einige Kollegiaten und Stipendiaten, sowie eine ziemliche Menge Studenten

Verlauf (chronologisch)

Zunächst machte sich der das Projekt betreuende Professor Bernd Krieg-Brückner, im folgenden nur noch BKB genannt, aufgrund der überwältigenden Anzahl der Studenten, die die ursprüngliche Interessentenanzahl sogar noch überstieg, daran, eine genaue Bestandsaufnahme derselben vorzunehmen. Dabei gab es Studenten, die sich vorher eingetragen hatten, welche, die neu hinzugekommen waren und sogar welche, die, obwohl im Projekt, überhaupt nicht selbst anwesend waren. Man einigte sich schliesslich auf eine Gesamtzahl von 25 Mitgliedern (ohne Lehrende), von denen durch BKB akribisch die Namen notiert wurden. Da ursprünglich nur maximal 20 zugelassen sein sollten, äusserte BKB die versteckte Drohung, dass der allseits geschätzte Professor Kubicek jetzt wohl doch noch ein Projekt anbieten wird. Die Entwicklung in dieser Richtung bleibt abzuwarten.

Als nächstes stand die Suche nach einem Protokollanten auf der (nicht vorhandenen) Tagesordnung. Dieses bei allen Studenten beliebte Amt wurde nach einer harten Diskussion (die aus hartnäckigem Schweigen bestand) durch die leichtsinnige Bereiterklärung des Autors dieser Zeilen übernommen. BKB kündigte an, dass eine Klausurtagung geplant ist, voraussichtlich über 2-3 Tage. Der genaue Termin soll noch bestimmt werden von einem, in einer hervorragenden Überleitung als nächstes angekündigten, noch zu wählenden, Organisationskomittee. Dessen Wahl wurde aber erst mal auf nächstes mal verschoben. In der Folgezeit wurde eine Liste herumgereicht, auf der jedes Mitglied seinen Namen, Telefonnummer und E- mail-Adresse eintrug, um dem Kontakt innerhalb des Projektes eine Chance zu geben. Währenddessen wies BKB darauf hin, dass dieses Projekt sehr angewandt und interdisziplinär sei, womit wir auch bei der Frage nach den Motivationen der Studenten angekommen waren. Nun ging ein (unsichtbares) Mikro rum und jeder schockte erst mal die anderen mit seinem Namen, bevor er seine ganz persönlichen Erwartungen und erhofften Berührungspunkte mit dem Projektinhalt kundtat. Einer hatte zum Beispiel als Zivildienstleistender mit Behinderten gearbeitet und interessiert sich für die Frage, wie diesen Menschen geholfen werden kann. Ein anderer möchte etwas über wirtschaftswissenschaftliche Aspekte wissen. Können neuronale Netze in der Wirtschaft sinnvoll sein? Es gab einen E-Techniker, sogar einen Technischen Assistenten für Informatik. Viele sprachen besonders den übergreifenden Gedanken des Projekts an, das noch Kontakt zur Aussenwelt hält und ganzheitlich ist. Was die Begabungen angeht so hatten wir alles von zwei rechten Händen über nur eine rechte, eine linke, sowie zwei linke Hände (manche sollen sogar eine rechte und eine linke Hand haben), bis zu zwei linken Füssen (über die Hände ist hier nichts bekannt). Alles in allem scheinen wir eine ganz gute Mischung zu sein.

Es folgte eine Warnung von BKB: Dieses Projekt ist nicht so sehr künstliche Intelligenz, wie manche vielleicht denken, aber natürlich spielt dieses Gebiet etwas mit rein. Die klassische KI hätte die Weltbeschreibung als Ansatz, hier ginge es mehr darum, sich die Natur als Vorbild zu nehmen. Im übrigen sei ein Term, in dem KI mit neuronalen Netzen gleichgesetzt würde, falsch und nicht lösbar (übrigens auch nicht mit KI!). Oder auch auf Deutsch: KI ungleich neuronale Netze Wir hörten nun einige wertvolle Ratschläge, welche sonstigen Veranstaltungen als Begleitung des Projektes sinnvoll wären. Nach einer zunächst etwas konfusen Sammlung klärte sich folgende von BKB empfohlene Liste heraus:

1. Priorität
Dies sind Veranstaltungen, deren Besuch unbedingt notwendig ist, als Unterstützung, bzw. da man uns nicht zwingen kann, deren Besuch sehr zu empfehlen ist. KONNEKTIONISMUS von Christoph Klauck. Zentral, wichtig, perfekt für unser Projekt. ausserdem findet zu diesem Thema ein KOMPAKTKURS der Mathematiker statt, voraussichtlich vom 9.-11. November, dessen Besuch ebenfalls sinnvoll wäre, allerdings eher zusätzlich zu obiger Veranstaltung.
2. Priorität
Veranstaltungen unter dem Motto: wen es interessiert. Auf jeden Fall immer interessant. BILDVERARBEITUNG von Jutta Kreyss. GRUNDLAGEN WISSENSBASIERTER SYSTEME von Othein Herzog (sein Lächeln ist einmalig).
3. Priorität
Veranstaltungen zum nebenbei besuchen. Sie sind nicht so wichtig, wie obige, aber da man ja als Student genug Zeit hat...
  • KOLLOQIUM des Graduiertenkollegs (offen für alle), mit Gastrednern, Mo 17-19 Uhr im kleinen Hörsaal.
  • SAUS (nicht das Projekt, sondern die interdisziplinäre Veranstaltung Sensomotorik Autonomer Kognitiver Systeme, auch SAUKS genannt). Hier wird jeweils Do von 13-15 Uhr zunächst ein einstündiger allgemeinverständlicher Vortrag zu verschiedenen Themen gehalten (letztesmal ging es darum, wie es der Salamander schafft, eine Fliege mit seiner Zunge zu erwischen). In der zweiten Stunde gibt es dann immer eine fachlich fortgeschrittene Diskussions- und Fragerunde.
  • Nachdem das geklärt wurde, wies BKB noch mal eben darauf hin, dass man in interdisziplinären Veranstaltungen anderer Bereiche auch Scheine machen kann, die man sich dann für angewandte Informatik anrechnen lassen kann. Ein verlockender Gedanke, wenn man an manche der üblichen Vorlesungen in diesem Bereich denkt.

    Jetzt endlich durften sich die Stipendiaten und Kollegiaten, die vorher mit viel Geduld dem ganzen gefolgt waren, etwas zu sich und ihren Interessen und Vorstellungen, was das Projekt betrifft sagen. Zunächst wies BKB aber noch mal eben schnell darauf hin, dass

  • Stipendiaten und Kollegiaten im Grunde das gleiche seien, nur bekämen sie von woanders Geld, dass er
  • deshalb versuchen will, in Zukunft alle unter dem Oberbegriff Kollegiaten zu nennen, wobei ihm der Autor viel Glück wünschen möchte, und dass
  • die Kollegiaten, also beide, keine Lehrverpflichtung haben und dieses freiwillig und aus eigenem Interesse tun. Einige werden uns nach der Hälfte des Projektes voraussichtlich verlassen, andere werden hinzukommen.
  • Äusserungen von BKB zu Hoffnungen:
  • Die Kollegiaten hoffen auf einen Beitrag zu ihren Themen
  • Ich hoffe alles trägt irgendwie zu dem Rollstuhl bei
  • Hier die Kollegiaten im einzelnen, sowie jeweils einige Stichpunkte ohne Anspruch auf Vollständigkeit:
    Manfred Nölte
    Graduiertenkolleg Gesundheitswissenschaften, Diplomarbeit war zum Thema Neuronale Netze, Reinforcement und Lernverfahren. Er möchte in das Projekt zu folgenden Themen etwas einbringen: Verbindung von neuronalen Netzen und der klassischen KI, Netzsimulatoren, sowie Theorie neuronaler Netze.
    Thomas Röfer
    seine Diplomarbeit hat etwas mit vierbeinigen Fisher-Technik-Laufmaschinen zu tun, seine Interessen sind folglich Robotersteuerung, sowohl in Bezug auf den Rollstuhl oder auch mit F.T.-Modellen.
    Mathias Heger
    hier handelt es sich um einen Doktor, hat die Gebiete Reinforcement-Lernen, lernen aus Erfahrung, und die Theorie von Trial and Error (kein Widerspruch!).
    Jürgen Monnerjahn
    über ihn ist nur überliefert, das er bei FORAN dabei war, ein Projekt von vor 2 Jahren, alles andere ist irgendwo verschluckt worden (sorry Jürgen).
    Andreas Bühlmeier
    die Frage wie lernt ein Tier?, die Modellierung von Netzwerken, Fisher-Technik- Roboter, Reinforcement-Lernen, Navigation und insbesondere alles am Rollstuhl sind seine Themen.
    Gabriele Bleckert
    machte ihr Diplom über neuronale Netze, arbeitet jetzt im Bereich Sensordatenverarbeitung, sie bastelt an einem Algorithmen für den Rollstuhl und will so schnell wie möglich den Rollstuhl mit Sensoren ausgestattet sehen.
    Holger Dürer
    ex-FORANer, sitzt an seiner Doktorarbeit über Zerlegung von neuronalen Netzen, möchte besonders Theorie zu neuronalen Netzen einbringen.
    Christoph Herwig
    Schlagwort: Bildverarbeitung, den Rollstuhl mit einer Kamera zu koppeln und die ankommenden Bilder zu verarbeiten, ist sein Steckenpferd. Er könnte sich dies gut mit einer 3-4 köpfigen Gruppe (insgesamt!) vorstellen.
    Martin Meier
    Biologe, leider nicht persönlich anwesend, liess aber verkünden, er würde Vorträge über Biologie-Themen betreuen.
    BKB fing nun an einen Ausblick über das nächste Mal zu geben, wurde jedoch von seinen eigenen Gedanken unterbrochen, die ihm auftrugen, noch etwas zum Rollstuhl zu sagen. Deshalb hier erstmal ein Rollstuhl- Intermezzo: Der Rollstuhl verfügt nun über Bumper zum Abfangen und erkennen von Stössen, sowie über Ultraschallsensoren von beachtlichem Ausmass. Ein Ansteuerungsmöglichkeit über einen Computer existiert schon, ist aber noch verbesserungswürdig. Das Lenken erfolgt durch Steuerung der Hinterräder über einen Servo oder mit der Hand. Dies ist besser zum Andocken vorne. Eventuell bekommen wir später noch einen besseren Rollstuhl, der in alle vier Richtungen schweben kann. Planung für nächstes mal: Wahl eines Oranisationskomittees Einführung von BKB Überlegungen zur Klausurtagung (wann? wo?) Und natürlich wieder: Die Wahl eines neuen Protokollanten (viel Spass)

    PS: Eine Bemerkung von BKB soll hier nicht unerwähnt bleiben, deren Deutungsmöglichkeiten eindeutig zweideutig sind: Wir machen ein Super-Projekt!


    Michael Czierwitzki <bundy@informatik.uni-bremen.de>