Warum setzt LaTeX die Bilder nicht dahin, wo ich das will?
Um diese Frage zu beantworten, muss man wissen, dass TeX Text so setzt, dass dieser »schön« aussieht. Zwar liegt Schönheit im Auge des Betrachters, allerdings gibt es so ein paar typographische Grundregeln, die sich in den 700 Jahren Buchdruck entwickelt haben. Unter anderem gibt es Regeln, die den Weißraum vor und nach Absätzen, Bildern, Tabellen, Überschriften, etc. beschreiben, welche TeX versucht umzusetzen.
Dies führt dann unter Umständen dazu, dass ein Bild nicht an der Stelle eingebunden wird, wo es definiert wird. Angenommen, wir hätten diesen Codeschnipsel:
\begin{figure}
\centering
\includegraphics{irgendeinbild}
\caption{Untertitel}
\label{fig:zum-referenzieren}
\end{figure}
Fügen wir diesen nun in ein LaTeX-Dokument ein, erscheint das Bild irgendeinbild womöglich an irgend einer Stelle. Primär liegt das an der figure-Umgebung, die zu der Familie der floating-Umgebungen gehört (wie übrigens auch die table-Umgebung) und beim Setzen dann dorthin fließt, wo sie optisch am Besten passt - notfalls auch einzeln auf eine eigene Seite.
In einem ersten Ansatz kann man der figure- (bzw. table-) Umgebung mitteilen, wo das Bild gesetzt werden soll. Dies hat allerdings nur den Charakter eines Vorschlags, denn die typographischen Regeln gelten ja noch immer. An der Zahl bietet LaTeX vier Optionen an, um den Standort der Umgebung vorzuschlagen:
tlässt die Umgebung an das obere Ende einer Seite fließen (top),blässt die Umgebung an das untere Ende einer Seite fließen (bottom),pveranlasst LaTeX das Bild auf eine eigene Seite zu setzen (page), undhschlägt vor, die Umgebung an Ort und Stelle auszugeben (here).
Angewendet werden diese Vorschläge als Optionen der Umgebung und lassen sich (nach absteigender Priorisierung sortiert) auch kombiniert angeben:
\begin{figure}[htbp]
...
\end{figure}
Dies liest sich als »versuche das Bild hier zu setzen, wenn das nicht geht soll das Bild an der oberen bzw. unteren Kante der Seite auftauchen; versuche eine eigene Seite zu vermeiden«. Man sollte immer wenigstens p mit angeben, da LaTeX andernfalls ein merkwürdiges Verhalten zeigt.
Daneben gibt des noch den Modifikator !, der eine Priorität noch ein wenig anhebt, aber ansonsten kaum Auswirkungen hat:
\begin{figure}[h!tbp]
...
\end{figure}
Dieses Beispiel gibt an, dass der Wunsch sehr groß ist, dass das Bild an Ort und Stelle ausgegeben wird. Dennoch kann man noch immer nicht verhindern, dass es sich verschiebt.
Jetzt bieten sich zwei Möglichkeiten an: Entweder sucht man sich einen Befehl, der das Bild sofort ausgibt, oder man überlegt sich, ob eine floating-Umgebung wirklich notwendig ist. Letzteres gilt dann auf jeden Fall, wenn man eine Bildunterschrift benötigt und darauf mit \ref{...} und ähnlichem darauf verweisen möchte. Ist dies nicht nötig, kann man die figure-Umgebung auch weglassen, was zu diesem Schnipsel der folgenden Form führt:
\begin{center}
\includegraphics{irgendeinbild}
\end{center}
Soll das Bild noch nicht mal zentriert werden, kann auch die center-Umgebung entfallen:
\includegraphics{irgendeinbild}
Das klappt dann sogar innerhalb einer Tabelle
Die andere Möglichkeit, sich einen Befehl zu suchen, der die figure-Umgebung sofort ausgibt, ist im Paket float enthalten. Dieses definiert die weitere Option H (HERE), womit dieses Konstrukt möglich wird:
\usepackage{float}
...
\begin{figure}[H]
\centering
\includegraphics{irgendeinbild}
\caption{...}
\label{...}
\end{figure}
Mein Rat ist es aber sich erstens die Dokumentation zu dem Paket (CTAN: macros/latex/contrib/float) durchzulesen, und zweitens die H-Option nur sparsam einzusetzen, da es ein paar Nebeneffekte gibt (siehe Dokumentation).
Zum Schluss habe ich noch einen lesenswerten Link, der dieselbe Aussage trifft wie ich hier, nur kürzer
Grüße, Dominik
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Kolophon
- Notizblog von Dominik Menke. Hier ein bisschen Studium, dort ein wenig LaTeX. Gemischt mit konservativ-linker, aber ökologisch abbaubarer Politik. Kuriose Netzfundstücke und technischer Kram. Nicht zuletzt auch Infos zur Medieninformatik.

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