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Dick werden für die
Wissenschaft
oder Kekse von ALDI |
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Bei ALDI gibt's viele leckere Dinge zum günstigen Preis. Besonders erwähnenswert sind die Schoko-Duo-Kekse mit Schokoladenüberzug von der Firma FEURICH aus Hannover.
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Für 75 ct. bekommt man eine Schachtel mit 9 Keksen. Wahlweise gibt es statt eines Vollmilch-Überzugs auch einen zartbitteren.
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Die Kekse haben auf ihrer Schokoladenseite jeweils eines von fünf möglichen Euromotiven aufgeprägt. |
Die Euromotive bilden hochkarätige und kulturschwangere Bauten aus Ländern Europas ab. Hier finden Sie eine Aufstellung der möglichen Euromotive:
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Belgien |
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Deutschland |
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England |
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Frankreich |
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Italien |
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Wie gesagt, es sind fünf verschiedene Euromotive möglich. Es gibt selbstverständlich keine Garantie dafür, dass sich in einer Keksschachtel auch wirklich alle fünf verschiedenen Euromotive befinden. Ich habe schon Schachteln mit nur vier oder gar drei verschiedenen Euromotiven bekommen. Bei jedem Einkauf bei ALDI, der natürlich auch einige Keksschachteln beinhaltet, frage ich mich nun, wie groß die Wahrscheinlichkeit dafür ist, dass sich in einer beliebigen Keksschachtel fünf verschiedene Euromotive befinden. Oder wie groß die Wahrscheinlichkeit dafür ist, dass sich in einer beliebigen Keksschachtel nur vier oder nur drei oder zwei verschiedene oder nur ein einziges Euromotiv befindet.
Eine (mathematisch) korrekte Antwort auf diese Frage lässt sich nicht so ohne Weiteres geben. Sie ist vor allem abhängig von der Art, wie die Kekse mit den Euromotiven beim Einpacken ausgewählt werden. Der Einfachheit halber gehe ich im Folgenden davon aus, dass das Zusammenstellen der Kekse für eine Kekspackung bei der Firma FEURICH so abläuft:
Wie immer, wenn man nicht so genau weiß, wie man etwas rechnen soll, hilft es, sich die Situation mit einer Simulation zu erläutern. Dabei simuliert man das Packen von vielen Kekspackungen und sieht sich die jeweils in einer Schachtel auftretenden Anzahlen der Euromotive an. Ein brauchbares Programm für derartige Simulationen ist z.B. EXCEL. Zum besseren Verständnis davon, wie dieses Arbeitsblatt funktioniert, betrachte man die eingefügten Kommentare. Zunächst wird die Zusammenstellung einer einzigen Keksschachtel betrachtet. Dabei werden die verschiedenen Motive auf den Keksen von 1 bis 5 durchnummeriert. Das erleichtert das Zählen in EXCEL.
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Und hier werden im Programm die Ergebnisse aller bislang gepackten Schachteln aufgelistet:
Zur Funktion des Keksschachtel-Packungsprogramms
Zunächst benötigt man für die Ausführung der Simulation das Tabellenkalkulationsprogramm EXCEL von Microsoft. Darin muss die Datei kekse5.xls geöffnet werden.
Um nun neue Keksschachteln mit Keksen zu befüllen, braucht man eigentlich nur immer wieder die Taste F9 zu drücken. Dann wird jedesmal eine Keksschachtel mit Keksen neu zusammengestellt, die Motivanzahl wird ermittelt und zu den bereits vorhandenen Ergebnissen hinzugezählt. Allerdings kann es sein, dass dies nicht auf Anhieb funktioniert, und das hat folgenden Grund.
An einigen Stellen werden Zellen als Schleifenzähler benötigt, d.h. man setzt den Wert einer Zelle nach jeder Neuberechnung um einen vorher festgelegten Wert herauf. Meistens ist dies +1. Die Formeln, die zu solchen Zellen gehören, arbeiten mit dem Inhalt dieser Zellen. Man erhält also einen so genannten Zirkelbezug. EXCEL weist unter Umständen durch den folgenden Hinweis darauf hin.
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Die Lösung des Problems ist
einfach: Man geht auf Extras - Optionen - Berechnung, setzt dort ein Häkchen
vor Iteration und stellt die maximale Iterationszahl auf 1.

Dann müssten die Probleme behoben sein, und mit der Taste F9 können fleißig Kekspackungen gepackt werden.
Die Betrachtung der relativen Häufigkeiten in kekse5.xls erlaubt nach vielen (mindestens 1000) gepackten Kekspackungen eine Schätzung der Wahrscheinlichkeiten für das Auftreten von 1, 2, 3, 4 oder 5 verschiedenen Motiven in einer Schachtel. Wer eine ganz genaue mathematische Herleitung der Wahrscheinlichkeiten mit weiteren Zusatzinformationen wünscht, der sei auf diese Seite verwiesen.
Dick werden für die Wissenschaft - Der Test
Wie kommt es nun zu dem Titel "Dick
werden für die Wissenschaft"? Schließlich nimmt doch niemand zu, wenn
er das Zusammenstellen von Kekspackungen mit Hilfe von kekse5.xls
bloß elektronisch simuliert. Nun, wir haben in diesem Simulationsprogramm und
in der rechnerischen Herleitung eine
Annahme gemacht, von der wir nicht wissen, ob sie wirklich zutrifft. Es ist die
Annahme (*) weiter oben
auf der Seite. Mathematisch gesprochen besagt diese Annahme, dass jedes der fünf
Euro-Motive grundsätzlich mit derselben Wahrscheinlichkeit
gezogen wird. Diese Gleichverteilungsannahme (*)
ist also eine Vermutung oder Hypothese. Die Gleichverteilungsannahme (*)
lässt sich mit Hilfe eines sog. Hypothesentests überprüfen. Dabei werden
Kekspackungen von ALDI gekauft und auf die Anzahl ihrer vorhandenen Motive hin
untersucht. Natürlich genügt es nicht, nur eine oder zwei Packungen zu kaufen.
Es müssen schon ein paar mehr sein. Damit erklärt sich übrigens auch das
Dick werden für die Wissenschaft.
Im Prinzip funktioniert ein solcher
Hypothesentest so: Es werden n
Kekspackungen untersucht. Man erwartet unter
diesen n
Packungen etwa
Packungen
mit i
verschiedenen Motiven, wobei
die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von i
Motiven in einer Kekspackung ist. Weichen die tatsächlichen Motivanzahlen der n
untersuchten Kekspackungen von den erwarteten Motivanzahlen zu sehr ab, wird man
die Gleichverteilungsannahme (*)
ablehnen. Was "zu sehr abweichen" heißt, lässt sich mit dem
Chi-Quadrat-Test bestimmen. Die Prüfgröße ist
.
Dabei ist
die ermittelte Anzahl der Kekspackungen mit i
verschiedenen Motiven. Ist die Prüfgröße
zu groß, wird man von einem ungewöhnlichen Ergebnis sprechen, das nicht mit
der Gleichverteilungsannahme (*)
verträglich ist. Man wird dann die Gleichverteilungsannahme (*)
ablehnen.
Was heißt nun "ungewöhnliches
Ergebnis" und "die Prüfgröße
ist zu groß"? Untersucht man viele aus n
Kekspackungen bestehende Gebinde, auf die die Gleichverteilungsannahme
(*) zutrifft,
so können ungewöhnliche Motivanzahlen, die von den erwarteten Motivanzahlen
stark abweichen, schon mal auftreten. Je stärker diese Abweichung ist, d.h. je
größer
ist, desto seltener tritt solch ein Ergebnis auf. Ist ein ermitteltes
so groß, dass es unter der Gleichverteilungsannahme (*)
in weniger als 5% aller aus n
Kekspackungen bestehenden Gebinde auftritt, kann man die Gleichverteilungsannahme
(*) auf dem 5%-Niveau
ablehnen. Das bedeutet, dass die Ablehnung der Gleichverteilungsannahme (*)
in 5% aller Fälle nicht gerechtfertigt ist.
Ist ein ermitteltes
noch größer, so dass es unter der Gleichverteilungsannahme
(*) in weniger als 1%
aller aus n
Kekspackungen bestehenden Gebinde auftritt, kann man die Gleichverteilungsannahme
(*) auf dem 1%-Niveau
ablehnen. Das bedeutet, dass die Ablehnung der Gleichverteilungsannahme (*)
in 1% aller Fälle nicht gerechtfertigt ist.
In der statistischen Testpraxis arbeitet man häufig mit dem 5%-Niveau oder dem
1%-Niveau. Man lehnt eine vernünftig erscheinende Annahme wie etwa (*)
ab, wenn ein Stichprobenergebnis unter Gültigkeit von (*)
zu selten, d.h. mit einer Wahrscheinlichkeit von höchstens 5% oder 1%,
auftritt. Man begeht dann mit der Ablehnung von (*)
einen Fehler von höchstens 5% oder 1%. In der Tabelle weiter unten ist eine
Testanordnung vorgestellt, zu der sich die kritischen Chi-Quadrat-Summen von
für das 5%-Niveau sowie
für das 1%-Niveau ergeben. Hat man aus einer Stichprobe eine Chi-Quadrat-Summe
von z.B. 8,354 ermittelt, so kann man die Gleichverteilungsannahme (*)
auf dem 5%-Niveau ablehnen, jedoch nicht auf dem 1%-Niveau. Die Tabelle weiter
unten berechnet nach Eingabe der ermittelten Motivanzahlen die Prüfgröße
und trifft eine Entscheidung darüber, ob überhaupt bzw. auf welchem
(Signifikanz-)Niveau die Gleichverteilungsannahme (*)
abgelehnt werden kann.
Wegen der äußerst geringen Wahrscheinlichkeiten für Keksschachteln mit nur einem oder zwei Motiven habe ich die Fälle eins, zwei oder drei Motive zu einer Klasse zusammengefasst. Der Chi-Quadrat-Test fordert in jeder betrachteten Klasse mindestens 5 erwartete Kekspackungen. Daraus ergibt sich ein Stichprobenumfang von mindestens 53 Kekspackungen (deswegen Dick werden für die Wissenschaft!). Hat man eine genügend große Stickprobe (also mindestens 53 Kekspackungen) untersucht, kann man die ermittelten Motivanzahlen in die grauen Zellen der Tabelle eintragen, in denen im Moment die Zahlen 20, 93 und 81 stehen. Daraufhin wird die Chi-Quadrat-Summe ermittelt, und es wird geprüft, ob die Gleichverteilungsannahme (*) auf dem 5%- oder 1%-Niveau abgelehnt werden kann. Sollte die Tabelle nicht funktionieren, weil z.B. nicht mit dem Internet Explorer gesurft wird, steht hier die Tabelle auch noch als EXCEL-Datei zur Verfügung.
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Nun suche ich viele enthusiastische Mitesser (gemeint sind nicht die Hautunreinheiten, sondern Keksliebhaber), die bereit sind, für einen wissenschaftlichen Hypothesentest auf eine mehr oder weniger schlanke Figur zu verzichten. Teilen Sie mir doch die Ergebnisse aus Ihrem Selbstversuch mit. Neben Ihren ermittelten Häufigkeiten der Motivanzahlen interessiert mich auch der Einkaufsort der Kekse. Übrigens bin ich, wie Sie sehen können, gerade selbst dabei, einen Hypothesentest mit Keksen von ALDI durchzuführen...
Guten Appetit und viel Spaß bei der Versuchsdurchführung!
Ein besonderer Dank gilt übrigens meiner Kollegin Frau Dr. Heidi Christiansen vom Alten Gymnasium in Bremen, die die Berichte über mein Projekt so tapfer ertragen hat. Sie hat sogar selbst beim Dick werden für die Wissenschaft mitgeholfen...
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Aus juristischen Gründen muss ich noch etwas erklären. Und zwar den folgenden Haftungsausschluss: |
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© 2004 by Steffen Hahn